Rechenmeister Univ. Prof. Ing. Dr. Adolf Adam

DER RECHENMEISTER WURDE 80
Das Lebenswerk von Adolf Adam

Heinz Zemanek
Dr.h.c der Kepler-Universität Linz
der österreichische Computerpionier

Herr Landeshauptmann, Magnifizenz, meine Damen und Herren, gestatten Sie mir, mit Adolphe Adam zu beginnen:

Freunde, vernehmet die Geschichte vom großen Simulmatikon!
Glaubt mir, daß ich hier nichts erdichte, weiß doch schon jedermann davon!
Das hätte ich natürlich singen müssen, aber ich beherrsche den Text nicht weiter, und muß daher anders anfangen. Ich versuche es mit Adam Ries.

Es wäre gewiß zu viel erwartet, daß Adolf Adam ein so geflügelter Name werden wird wie Adam Ries.  Aber für das 20. Jahrhundert ist Adolf Adam ebenso einzigartig, wenn nicht noch besonderer. Denn neben Adam Ries gab es zahlreiche andere Rechenmeister, neben Adolf Adam hat unsere Zeit keinen einzigen weiteren Rechenmeister aufzuweisen. Und diese Originalität ist nicht auf einen Titel oder einen Gewerbeschein  beschränkt;  vielmehr, ist  sie  sein  Wesen,  Ausfluß  einer phantasievollen Persönlichkeit, wie man sie der Universität Linz in angebrachter Menge wünschen möchte. Für die Zukunft besonders, in welcher Originale eher Seltenheitswert haben werden, in welcher die Phantasie von der Technik gefesselt erscheint, nicht zu letzt von jener Computertechnik, die scheinbar der Phantasie Flügel mit Lichtgeschwindigkeit und Gigabyte-Speicher schenkt, in Wirklichkeit aber mit Klischees wuchert. Denn der Computer ist ein Klischee-Automat, über den man sich erheben muß. Wer statt zu fliegen nachschwimmt, vermag keine Phantasie aus dem Computer herauszukitzeln.

In meinen wenigen Minuten werde ich dem Jubilar nicht eine minutiöse Beschreibung seines Lebenswerks präsentieren können, dazu war er viel zu fleißig und zu vielfältig, eine natürliche Kondensation seiner Phantasie. Vielmehr wird es sich nur um Kostproben aus dem Festmahl handeln können, das ihm eigentlich vorgesetzt werden müßte. Außerdem hat die Festschrift zu seinem 65. Geburtstag im Jahre 1985 so vieles vorweggenommen und zusammengefaßt. Wer mehr wissen will, für den ist diese Festschrift die richtige Quelle.

Daß gerade mir diese ehrenvolle Aufgabe gestellt wurde, machte mir außerordentliche Freude, hat mich aber in ganze Ketten von Dilemmas gestürzt. Adam ist wie ein Neuron: kein Modell kann seine Funktionalität ausbeschreiben; das einzige Neuronenmodell, das dem Neuron gerecht wird, ist das Neuron selbst; und das einzige adamwürdige Denkmal ist Adam selbst. Es ist recht erfreulich, daß er in Linz anwesend ist, man braucht keinen Platz für die Aufstellung. Was selbstverständlich nichts über die Zukunft aussagt.

Es dürften mehr als 40 Jahre sein, die ich Adolf Adam zu kennen die Ehre und das Vergnügen hatte, und es gibt eine lange Reihe von Gemeinsamkeiten, beginnend mit dem Namen, denn Adam ist vom hebräischen Stamm „Erde" abgeleitet und Zemanek vom Satem-Stamm für „Land", und damit ergibt sich die Verbindung zum Algorithmus, dessen Name von Al-Chorezmi stammt, und dieser wieder von Chorezm, einer riesigen Oase südlich das Aralsees. Chor-Zem ist das Land Chor, und man darf es sogar - eine der Möglichkeiten - mit (iranischem) Reich des Ostens, mit Österreich übersetzen.

Ich bin sogar im Besitz eines Körperteils, der nach ihm benannt ist, aber das sind alle männlichen Anwesenden oder Leser und alle Männer überhaupt seit jenem Adam, dem der Apfel für uns alle im Hals stecken blieb.

 Gemeinsam ist uns der frühe Einstieg in die Informatik, für die der Rechenmeister Adolf Adam bei Karl Menger den innerlich verwandten Begriff der Simulmatik aufgestöbert hat. Gemeinsam ist uns die Erkenntnis, daß historische Studien nicht Wühlen im Staub der Ahnen sind, sondern die einzige Fundgrube für Wegweiser in die Zukunft, und daß der frühe Zustand jeden Feldes die Klarheit bietet, die mit dem ständigen Hinzufügen weiterer Einzelheiten immer sicherer zur Unklarheit wird. Gemeinsam ist uns der Drang zur Erkenntnis der gesellschaftlichen Bedeutung von Informatik, Automatik und Simulation, weil der Fortschritt den Arbeitsmarkt auch in all seinen Weichteilen verändert. Gemeinsam ist uns der Blick über die Grenzen hinaus auf den Globus, der von unserem Fach vernetzt, aber nicht gebändigt wird. Je enger das Netz, um so mehr Wissen über die Netzteilnehmer ist erforderlich.

Computer zusammenhängen kann jeder Techniker, wenn auch mit etlichen Schwachstellen. Menschen verbinden kann nur das gegenseitige Verständnis, und dieses läßt sich nicht elektronisch organisieren. Freilich muß es nicht gar so chaotisch sein wie das Internet. Man hätte es in Adams Linzer Institut entwickeln lassen sollen, dann wäre das System drin, das dem Internet fehlt.

Adam und ich und unsere gleichaltrigen Kollegen haben mitgeholfen, den kommenden Generationen eine Unmenge neue Wege zu eröffnen. Das heißt aber auch, daß wir ihnen eine Menge Arbeit auf die Schultern gelegt haben. Das zugehörige Arbeitsplatzmanagement kann nicht auch noch von uns erwartet werden. Es erfordert Team-Arbeit von Institut und Garagenfirma bis zu Konzern und Regierung. Das verbreitete Gegenteil, nämlich das egoistische Unterwühlen der Arbeitsplätze der ändern, ist der verkehrte Stil. Zu tun gibt allenthalben genug. Man wird nur bessere Ideen haben müssen, wie das Viele, das dringend getan werden müßte, wirtschaftlich und organisatorisch in Gang gesetzt werden kann. Den Bedürfnissen nach jeder Staat könnte alle seine Bürger werktätig halten. Auch dafür sollte man nach Linz Systemwissen tanken kommen.
 Nun kann, wie gesagt, nicht eine minutiöse Beschreibung des Lebenswerkes unseres einzigartigen Rechenmeisters folgen. Sie wäre auch besser als Lesestoff geeignet. Aber eine Block-Übersicht erweist sich für einen Helden, dessen Lebenslauf so phantasievoll ist wie seine Persönlichkeit, als recht hilfreich.
 

 1938               48            58             68              78               88         98
     20               30            40             50              60              70          80
              Uni Wien|Konsulent|Uni Wien|-----UNIVERSITÄT LINZ--------
                              Gewerbeschein       Rektor                       Emeritus
                           Rechenmeister   Professor ( Köln lockt und hilft )
                                                             TNF Gründungsdekan

Er bezeichnet sich selbst als Multidilettanten (ein von Viktor E. Frankl beigesteuertes Wort), das ist Mehrfachliebhaber, und spricht von sechs Dimensionen. Meine Zählung hat 13 ergeben, was man in Amerika ein Bäckerdutzend nennt, und ich bin nicht sicher, mit dem Zählen fertig zu sein.
 

 Die 13. Dimension ist der Rechenmeister. Die sechs Paare sind:
         Statistik                                  Systemwissenschaft
         Konsulent                               Zeitschriften Herausgeber
         Informationstechnik               Simulmatik
         Wirtschaftswissenschaften      Operations Research
         Rektor/Gründungs-Dekan      Studentenvertreter
         Oberst                                    Oberbrandinspektor
Zum Beispiel könnte ich Diplomat und Ranggler dazunehmen.

Ein solches kulinarisches Fraktal läßt sich in zwei Stunden nicht beschreiben. Außerdem handelt es sich nicht um eine Speisekarte, sondern die Gerichte gehen ständig durch den Mixer und blieben doch erhalten. Wie ich sagte: für Adam gibt es nur ein Modell: Adolf Adam. Und das ist das Gegenteil einer Liste. Ein Adam-Roman hätte nicht 3 Bände, sondern liefe in 13 Versionen in 13 Stereo-Kinos gleichzeitig.

 Adolf Adam ist am 9 FEB 1918 in Pürgg im Ennstal geboren, im Innersten von Innerösterreich,  aus  einer  Familie  Adam,  welcher  Paula  Grogger  im Grimmingtor eine literarisches Denkmal gesetzt hat. Ich habe als Realschüler den Grimming in fünf Sommern von den Schladminger Tauern aus gesehen, es ist ein Berg, dessen Anblick erahnen läßt, was für Leute dort wachsen.

Die Studienzeit reflektiert den innerösterreichischen Charakter der Familie Adam, mit Graz, Linz und Wien als Brennpunkte. Und die Studienrichtungen erweisen sich auf der professionellen Landkarte als noch vernetzter: die Elektrotechnik ist ebenso Grundelement wie Mathematik, Statistik und Physik, Wirtschaftswissenschaften und Regelungstechnik kommen hinzu; eigentlich ist schon das Studium als Simulmatik zu bezeichnen.

Was er dazwischen im Zweiten Weltkrieg an Multibetätigung leistet, wäre allein schon ein ganzes Buch: Technischer Berater, nationaler und kirchlicher Vermittler, und kurzzeitig sogar Diplomat, nicht aus Freude an der Juristerei, sondern um Betroffenen der damaligen Zeit zu helfen.

Wohlvorbereitet durch Linz und Graz, findet Adolf Adam sein Wirkungsfeld in Winklers  und  Sagoroffs  statistischem  Rechenzentrum,  wo  er  als Wissenschaftliche Hilfskraft beginnt und als Ordentlicher Professor endet, um in Linz sein Ziel zu finden.

Gleich nach Beginn seiner Assistentenzeit wird er Herausgeber der „Statistischen Vierteljahresschrift", denn ein Beruf allein war niemals seine Sache. Dazwischen betätigt er sich von 1954 bis 1959 als selbständiger Konsulent, um die Kombination von Computer und „Unternehmensforschung" in den Griff zu bekommen. Dieses Wort als seine Übersetzung von „Operations Research" wird auch zum Titel der zweiten Zeitschrift, welcher Adolf Adam Leben einhaucht.

Der Computer betritt das professionelle Gelände gerade im rechten Augenblick, und was für meinen Lebenslauf das Mailüfterl bewirkt hatte, das bewirkte bei Adolf Adam die Zuse Z22. Wir haben den Computer noch als elektrische Realität kennengelernt, und nicht als versiegelten Blechkasten, von dem der Bildschirm unentscheidbar Dichtung und Wahrheit berichtet.

Der Gewerbeschein, zwar in Wien erworben, aber die Basis für die Adelsbezeichnung „Rechenmeister zu Linz", stellt eine Naht zu Industrie und Gewerbe dar. Die akademische Welt ist für Adolf Adam weder von himmlischer Entrücktheit noch ein elfenbeinerner Turm. Sie ist ein Werkzeug, für das Aufwerten einer Welt, die von sich aus absinkt und verrostet, wenn man nicht dauernd wacht und wirkt. Der Meister ist für seine Kunden da und dreht seine Lehrbuben in die rechte Richtung. Adam sieht den Universitätsprofessor als Unternehmer, dessen „Operations" für ihn selbst erforscht werden müssen. Und die Forschungsergebnisse sind dann allen Unternehmern zugänglich zu machen. Mit einer Regierungsüberwachung des Unternehmens Universitätsprofessor hat das allerdings nichts zu tun.

Die andere Naht schweißt Adam zur Hochschülerschafts-Organisation. Und er braucht keine Neugründung dazu. Vorhandene Werkzeuge und Wege genügen ihm,  um  gleichzeitig  Ordinarius  und  Studentenvertreter  zu  sein,  als Studentenvertreter gewählt mit einer Mehrheit, für welche die Großparteien die halben  Mitgliedsbeiträge  hergeben  würden.  Was  Adam  aus  dieser Doppelposition gemacht hat, wäre auch wieder ein einmaliger Roman. Das Umschlagbild müßte ein Januskopf sein, mit zwei Profilen in zwei Richtungen, in welchem das eine Gehirn für Vereinbarkeit und Produktion von Ganzem sorgt. Nicht bloß ein Semester oder ein Studienjahr lang betreibt er dies: 30 Jahre war unser Jubilar ein solcher Janus von Professor und Student, ein Lenker, der sein Fahrzeug auch von unten her kennt.

Linz ist für Adolf Adam nicht eine der Landeshauptstädte, für ihn ist es die Stadt Keplers und seiner Weltharmonik, die Stadt der kopernikanischen Wende, der Schwerpunkt der geistigen Landschaft, aus der die Protagonisten der ersten Wiener mathematisch-astronomischen Schule erwuchsen, Johannes Kraft von Gmunden, Georg Aunpeckh von Peuerbach, Regiomontanus und Johannes Stabius.  Adam  wird  nicht  müde,  den  Glanz  und  das  Gewicht  der Gedankenbewegung, die schließlich das technische Zeitalter hervorgebracht hat, in allen Farben zu schildern, um der Welt und Oberösterreich ins Bewußtsein zu bringen, daß es keine Millionenstädte braucht, um den Geist zu beflügeln, sondern daß Gedankendichte und Ideenstrahlung bloß die rechten Menschen brauchen und ein bißchen Startbahn für den Flug.

Und als solche Startbahn begriff er die Universität Linz, die ihn berief und der er umgehend seinen Stempel aufdrückte, so daß sie etwas von seinem Profil bekommen hat. Er war einer der ersten Rektoren und er war Motor und Gründungsdekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, der er ein Spektrum nach seiner Vorstellung zu erteilen vermochte. Daß die Universität Linz zur Johannes Kepler Universität wurde, ist nicht zuletzt seiner Energie zu verdanken.

Das  Linzer  Informationswissenschaftliche  Programm  ist  zugleich  ein Metaprogramm und nicht auf Linz beschränkt. Linzer Torte ißt man auch nicht nur in Linz. Überhaupt ist evident, daß Adams Horizont nicht durch den Pöstlingberg definiert ist. Köln hätte ihn gerne als Ordinarius geholt, und in Rußland wie in China hat man ihn als Gastprofessor bejubelt, gewiß nicht nur wegen seiner Linzer Vortragsthemen. In Moskau empfahl er seine statistischen und kybernetischen Modelle für die sowjetische Wirtschaft und in Peking, Shanghai und Kanton brillierte er 1982 mit seinen Untersuchungen über die Chinesische Philosophie und ihre Binärnotation ( „Die Kua-Symbolik des l Ging" ). In Wien und Linz hielt er darüber 1989/90 Vorlesungen.

Adolf Adam erkennt wie nur wenige, daß die akademische Ebene nicht ausreicht,  um  ein  wissenschaftlich-technisches  Feld  wie  Informatik  und Angewandte Statistik wirtschaftlich lebensfähig zu machen. Er trommelte österreichweit für ein Lehramtsstudium der Informatik zu einem Zeitpunkt, wo viele noch die Notwendigkeit eines Universitätsinformatikstudiums bezweifeln.

Es wäre nicht Adolf Adam gewesen, hätte er sich mit der Imitation des historischen Rechenmeisters begnügt.  Sein Gewerbeschein befugt ihn zur Beratung in Fragen der mathematischen und statistischen Methoden in Wirtschaft und Qualitätskontrolle. Obwohl darin der Computer nicht vorkommt, ist   dieser   das   natürliche   Werkzeug   für   derartige   Aufgaben,   und   der Rechenmeister erweist sich als gewerblicher EDV-Konsulent, als Protagonist des 16. und 20. Jahrhunderts zugleich. Er weiß, daß der Rechenmeister als Symbol für  den  Programmierermeister  steht,  und  zugleich  ist  er  auch  Metaprogrammierer: er bringt Programme für die Programmierung hervor, er gestaltet die Gestaltung.

Adam bringt System in die Systemwissenschaften. Natürlich kennt er den Wert der Beherrschung der Einzelheiten. Noch viel besser kennt er aber die Katastrophe, wenn richtige Einzelheiten in falscher Mentalität zu falschen Systemen zusammengeklebt werden. In meiner Ausdrucksweise ist Adolf Adam ein Architekt, nicht nur für Systeme, sondern für das System, Systeme zu gestalten, ob es materielle oder abstrakte Systeme sind, ob es industrielle oder universitäre Systeme sind - für Adolf Adam zählt ihr Stil und er ringt mit der Gestaltung. Er wünscht Gestaltungssystematik, er träumt von Konsistenz. Wo immer er denkt, sieht er auch die nächsthöhere Ebene. Wäre er nicht schon Rechenmeister, man müßte den Titel „Seine Rekursivität" vorschlagen.

Von seinen zahlreichen Publikationen möchte ich hier den Bildband „Vom Himmlischen Uhrwerk zur statistischen Fabrik" hervorheben, erschienen bei Herbert 0. MUNK, in Wien 1973, 188 Seiten. Diesem Werk würde ich eine Neuauflage gönnen, mit noch weit mehr Bildern und noch ausführlicherem Text, denn ich kenne kein anderes Werk, das die Linie von der Astronomie zur Informatik so einprägsam, geballt und vielgestaltig darstellt. Und die Neuauflage müßte reichlich mit Index-Listen ausgestattet sein: eine Fundgrube, durch ein Inventarisierungssystem erfaßt.

Ich hoffe, daß die Fortführung der Liste seiner Publikationen bereits in Arbeit ist,  und  ich würde  mir eine kommentierte Liste wünschen,  System  für den Systemwissenschaftler, denn in einer reinen Aufzählung gehen die Rosinen unter.

Unser Jubilar ist nicht unkritisch, ich könnte meinen ganzen Vortrag noch einmal halten und zu jedem Absatz die kritischen Beobachtungen von ihm beschreiben (die ich teils freilich erst erkunden müßte). Ich will mich aber auf zwei Punkte beschränken, die ich kenne: auf seine Kritik der Ausbildung und aufseine Kritik der Kirche, beides liebevolle Kritiken, denn der edle Dilettant liebt, was er anfaßt.

Aus seiner universellen und stratosphärischen Optik erkennt Adolf Adam die Gefahr der Spezialisierung. Die Wissenschaftler graben sich in ein Loch ein, dessen Durchmesser auf Null tendiert. Die Kommunikation über die Lochränder hinweg verkümmert. Und der Spezialist hält sein Loch für das Universum.

Universität bedeutet doch  universelle Bildung,  und  das  verpflichtet  sie, Multidilettanten zu pflegen und fördern, auch wenn sie unbequem sind. Aber die Universität produziert solche ja nicht, sie kann sie nur anziehen und berufen. Universalität verpflichtet die Universität, den Studenten, der sie ja ohne Spezialisierung betritt und natürliche Sehnsucht nach der Universalität hat, in die rechte Richtung zu lenken.

Man muß ihm sagen, daß die Muse der Universität nicht der Euro ist, die männliche Muse des Geldverdienens. Geld ist recht als Folge der Tüchtigkeit des akademisch Gebildeten, Geld ist falsch als sein Ziel. Und eine verwandte Kritik muß an die Industrie gehen, wenn sie die Universität als billige Entwicklungs-Filiale ansieht und betreibt. Zusammenarbeit mit der Universität ist lebenswichtig für beide; wo es aber zur Unterordnung des Akademischen unter den Geschäftsgewinn kommt, sinkt die Universität unter die Fachschule.

Adams Kritik an der Kirche ist der meinen ähnlich. Die Journalisten hämmern allerorts an den falschen Dimensionen. Sie sind Vorbeter einer Litanei von Halbwahrheiten, die am Nachmittag dann von halbgebildeten Laien nachgebetet werden. „Wir sind die Kirche"? Wer das sagt, hält sich selbst für den Heiligen Geist und die Kirche, zu der er sich im Glaubensbekenntnis bekennt. Adam weiß, wo die Rekursivität zum Unfug wird. Der Glaube muß die Zeit prägen und nicht der Zeitgeist den Glauben. Die Mahnung lautet: man muß die Jahrhunderte alten Invarianten ins Auge fassen, wenn man von der Kirche spricht, ob Glaube oder weltliche Erscheinungsform. Und diese Mahnung geht nicht nur an die Laien.

Wir alle wünschen Dir, lieber Jubilar, noch viele Jahre kreativer Tätigkeit, in der Vielfalt, die Dir stets eigen war. Die Medizin mag es in den nächsten Jahrzehnten technisch möglich machen, daß die obere Altersgrenze 120 Jahre beträgt. Der Ingenieur in mir bezweifelt die Bewältigung der Betriebskosten. Vor allem seelisch aber dürfte die Bewältigung der vielen Veränderungen, die man dann in den letzten 20 Jahren seines Lebens zu gewärtigen haben wird, kein leichtes Problem sein. Und in einem Reservat zu leben, an dem die Zeit vorbei geht, wird wenig Spaß machen. Zum Glück braucht es keine Auseinandersetzung mit Parametern. Gott der Herr hat sich den Schlußbefehl vorbehalten, und das ist recht so. Ich will den Parameter 120 daher ein wenig anders anwenden: Ich wünsche Dir, daß Du weiterhin zu leben vermögest, als würdest Du spielend 120 werden, ohne Zeitdruck und ohne zu viel gesundheitliche Vorsichtigkeiten.

Einfachst ausgedrückt: mögest Du möglichst spät jung sterben!

Das ist mein Wunsch, das ist der Wunsch aller Anwesenden und das ist der Wunsch Österreichs, Oberösterreich den anderen Bundesländern voran. Bis dahin bleibst Du unser Adam, NOSTRADAMUS, wie Du selbst übersetzt hast!


Literatur

Im Jahre 1986 waren es 263 Publikationen, wahrscheinlich sind es indessen mehr. Siehe Liste in:
Beiträge zur Systemforschung - Festschrift Adolf Adam 65. Geburtstag.-
(Beran Pichler , Hrsg. ) Linzer Univ. Schriften
Springer Wien-NY 1986; 362pp

Das genannte historische Fakten- und Bilderbuch (vergriffen) :
A. Adam: Vom Himmlischen Uhrwerk zur statistischen Fabrik.-
Herbert 0. MUNK, Wien 1973, 188 pp

Die statistische Dimension von Adolf Adam wurde am 21. FEB 1998 im Institut für Statistik der Universität Wien gefeiert.
Die Laudatio hielt Prof. Dr. G. Bruckmann.


Biographie

Gewerbeschein Rechenmeister